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Möglichkeiten der Finanzierung für die „24-Stunden-Betreuung“

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Es gibt keine Leistung der Pflegekasse, die speziell auf die häusliche „24-Stunden-Betreuung“ durch meist ausländische Haushalts- und Betreuungskräfte zugeschnitten ist.
  • Gleichwohl kann man – je nach Fallgestaltung – verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung für die Finanzierung der häuslichen „24-Stunden-Betreuung“ in Anspruch nehmen.
  • Spürbar entlastend werden die Leistungen der Pflegeversicherung, wenn der Pflegebedürftige im Pflegegrad 2 bis 5 eingestuft ist.
  • Den Großteil der Kosten muss die pflegebedürftige Person in der Regel jedoch selbst tragen.
Pflegegeld: Welche Leistungen kann ich abrechnen?
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Eine häusliche „24-Stunden-Betreuung“ ist teuer und muss in der Regel selbst bezahlt werden – doch es gibt einige Möglichkeiten, die eigenen Kosten durch Leistungen der Pflegeversicherung zu verringern. Welche Möglichkeiten Sie haben, einen Anteil der Kosten für die häusliche „24-Stunden-Betreuung“ durch Zahlungen der Pflegekasse zu decken, lesen sie hier.

Sofern Pflegebedürftige oder Angehörige mit dem Gedanken spielen, eine Haushalts- und Betreuungskraft im Rahmen der häuslichen „24-Stunden-Betreuung“ einzusetzen, sollten diese vorab kalkulieren, ob ein ausreichender Finanzierungsrahmen besteht. Die Kosten belaufen sich bei einer legalen Beschäftigung einer Haushalts- und Betreuungskraft in Vollzeit auf ca. 2.000 bis 3.000 Euro pro Monat. Hinzu kommen noch die mitunter anfallenden Gebühren für Vermittlungsagenturen.

Kann ich mir eine „24-Stunden-Betreuung“ im eigenen Haushalt leisten?

Zunächst sollten Sie sich einen umfassenden Überblick über die eigene finanzielle Situation verschaffen. Des Weiteren ist es ratsam, sich von einem regionalen Pflegestützpunkt zu den Unterstützungsleistungen der Pflegeversicherung beraten zu lassen.

Holen Sie sich zudem Informationen von Anbietern ein und lassen Sie sich über die gängigen Beschäftigungsmodelle in der „24-Stunden-Betreuung“ beraten. Lassen Sie sich zudem Kostenvoranschläge und Verträge von Anbietern zur häuslichen „24-Stunden-Betreuung“ zukommen und vergleichen Sie diese genau. Hier gibt es erhebliche Unterschiede.

Aufgepasst: In einigen Verträgen fallen versteckte Kosten für den Pflegebedürftigen an, wie zum Beispiel Reisekosten der Betreuungskraft oder Telefongebühren für Anrufe der Betreuungskraft in der Heimat. Diese sollte man bei der Kalkulation berücksichtigen.

Weitere Informationen zu den verschiedenen Optionen für die Organisation einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung und den wichtigsten Vertragsinhalten lesen Sie hier.

Überblick: Leistungen der Pflegeversicherung für die „24-Stunden-Betreuung“

Es gibt Möglichkeiten, verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung für die „24-Stunden-Betreuung“ einzusetzen. Pflegebedürftige, die in Pflegegrad 2 oder höher eingestuft wurden, haben Ansprüche auf Pflegeversicherungsleistungen, die für den Pflegebedürftigen eine spürbare finanzielle Unterstützung darstellen. Pflegebedürftige, welche lediglich in Pflegegrad 1 eingestuft wurden, erhalten hingegen nur eingeschränkte Leistungen der Pflegeversicherung. Bei Pflegegrad 1 besteht insbesondere die Möglichkeit, den sogenannten „Entlastungsbetrag“ von 125 Euro pro Monat in Anspruch zu nehmen. Dieser kann für nach Landesrecht zugelassene Betreuungs- und Entlastungsangebote eingesetzt werden. Nähere Informationen zum Entlastungsbetrag finden sich hier.

Konkrete Leistungen der Pflegeversicherung

Welche Pflegeversicherungsleistungen können zur Finanzierung der häuslichen „24-Stunden-Betreuung“ durch ausländische Haushalts- und Betreuungskräfte genutzt werden?

Pflegegeld für den Pflegebedürftigen

Pflegegeld erhalten Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2, wenn die häusliche Pflege und Betreuung ohne anerkannte Pflegedienste sichergestellt wird. Diese Leistung der Pflegekasse kann für die Finanzierung der „24-Stunden-Betreuung“ eingesetzt werden. Der Pflegebedürftige selbst ist Leistungsbezieher und erhält das Pflegegeld direkt auf sein Konto.

Mit folgenden Beträgen können Sie je nach Pflegegrad rechnen:

  • Pflegegrad 2: 316 Euro
  • Pflegegrad 3: 545 Euro
  • Pflegegrad 4: 728 Euro
  • Pflegegrad 5: 901 Euro

Pflegesachleistung für den ambulanten Pflegedienst

Statt die Pflege mit Hilfe des Pflegegeldes selbst zu organisieren, besteht die Möglichkeit, sogenannte Pflegesachleistungen durch einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch zu nehmen. Der Pflegedienst rechnet diese Leistungen direkt mit der Pflegekasse ab und unterstützt in der Regel bei der Antragstellung.

Folgende Beträge können abgerechnet werden:

  • Pflegegrad 2: 689 Euro
  • Pflegegrad 3: 1.298 Euro
  • Pflegegrad 4: 1.612 Euro
  • Pflegegrad 5: 1.995 Euro

Für den Fall, dass die Pflegesachleistungen voll in Anspruch genommen werden, muss die häusliche „24-Stunden-Betreuung“ komplett aus eigener Tasche bezahlt werden. Diese ist keine Pflegesachleistung, denn Betreuungsdienste sind in der Regel bei den Pflegekassen nicht als Pflegedienste anerkannt.

Pflegesachleistung oder Pflegegeld: Welche Leistungsart passt zu mir?

Von Pflegesachleistung spricht man, wenn ein Pflegebedürftiger zu Hause durch einen ambulanten Pflegedienst gepflegt wird. Pflegegeld erhält man, wenn ehrenamtliche Pflegepersonen die häusliche Pflege übernehmen.

Nähere Informationen gibt es hier.

Kombinationsfälle Pflegegeld/Pflegesachleistungen

Wenn neben der „24-Stunden-Betreuung“ noch ein ambulanter Pflegedienst, zum Beispiel zur Medikamentengabe, zu dem Pflegebedürftigen kommt, kann das Pflegegeld mit der Pflegesachleistung kombiniert werden. Dies ist immer dann der Fall, wenn die monatlichen Kosten für den eingesetzten Pflegedienst unter dem monatlichen Anspruch auf Pflegesachleistung liegen. Die Versicherungsleistungen werden dann anteilig ausgezahlt (sogenannte Kombinationsfälle). Adäquate Hilfestellung zur Antragsstellung erhält man oft bei den regionalen Pflegestützpunkten.

Der Entlastungsbetrag: zusätzliche Angebote für den Pflegebedürftigen im Alltag

Auch eine „24-Stunden“-Betreuungskraft ist nicht Rund-um-die-Uhr für den Pflegebedürftigen da. Sollte jedoch der Bedarf nach weiteren Betreuungs- oder Haushaltsleistungen vorhanden sein, auch außerhalb der Arbeitszeiten der Betreuungskraft, kann der Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro pro Monat für niedrigschwellige Leistungen durch andere Anbieter eingesetzt werden. Mit diesem Betrag können haushaltsnahe Dienstleistungen finanziert und pflegende Angehörige stundenweise entlastet werden. Dabei geht es um Unterstützung im Haushalt oder bei der Bewältigung des Pflegealltags, zum Beispiel der Transport zur Betreuungsgruppe oder eine Tagesbetreuung.

Der Entlastungsbetrag steht jedem Pflegebedürftigen zu. Anbieter, die über den Entlastungsbetrag in Anspruch genommen werden können, müssen nach Landesrecht qualifiziert sein. Angebote der „24-Stunden-Betreuung“ erfüllen diese Voraussetzung grundsätzlich nicht. Welche regionalen Möglichkeiten es gibt, erfahren Sie bei Ihrem regionalen Pflegestützpunkt.

Nähere Informationen gibt es hier.

Verhinderungspflege: Leistungen für eine Auszeit

Mit der Verhinderungspflege kann die Pflege während des Urlaubs der Pflegeperson sichergestellt werden. Zudem kann diese auch stundenweise bei Abwesenheit der nicht erwerbsmäßig tätigen Pflegeperson abgerechnet werden, etwa wenn die pflegende Person zum Sportkurs geht oder sich im Theater eine Auszeit gönnt. Es besteht ein jährlicher Anspruch von 1.612 Euro pro Kalenderjahr. Sofern keine Mittel aus der Kurzzeitpflege in Anspruch genommen wurden, kann der Betrag auf bis zu 2.418 Euro erhöht werden.

Der Anspruch auf Verhinderungspflege entsteht, wenn eine Pflegeperson, zum Beispiel ein Angehöriger, mindestens sechs Monate lang nicht erwerbsmäßig die Pflege eines Pflegebedürftigen in der häuslichen Umgebung übernommen hat. Da während dieser Auszeit die Pflege durch die „24-Stunden“-Betreuungskraft sichergestellt wird, können die Mittel grundsätzlich für die Finanzierung dieser Versorgungsform verwendet werden.

Nähere Informationen gibt es hier.

Die Kurzzeitpflege: Wer zahlt, wenn die Pflegeperson verhindert ist?

Hat die „24-Stunden“-Betreuungskraft Urlaub oder ist sie erkrankt, kann der Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen. Kurzzeitpflege bedeutet, dass die pflegebedürftige Person vorübergehend in eine vollstationäre Einrichtung zieht und dort gepflegt wird. Es besteht ein Anspruch auf Leistungen in Höhe von 1.612 Euro pro Jahr, welche über einen Zeitraum von acht Wochen verteilt werden können. Allerdings muss der Pflegebedürftige einen Teil der Kosten für die Kurzzeitpflege selbst tragen, das heißt, die Kosten für Unterkunft, Verpflegung sowie die Investitionskosten müssen privat finanziert werden.

Nähere Informationen gibt es hier.

Unterstützung im Alltag:  Kosten für die Tages- und Nachtpflege

Im Bereich der Tages- und Nachtpflege kann der Pflegebedürftige verschiedene Angebote in Einrichtungen wahrnehmen. Dies dient der Strukturierung des Alltags und der Entlastung der Angehörigen sowie der „24-Stunden“-Betreuungskraft. Beispielsweise kommen hier die Besuche einer Tageseinrichtung mit Spielenachmittagen oder Ähnlichem in Betracht. Die Nachtpflege bietet sich an, wenn der Pflegebedürftige unter Demenz leidet und mitunter sehr nachtaktiv ist.

Für die Tages- und Nachtpflege stehen dem Pflegebedürftigen monatlich 689 Euro bei Pflegegrad 2, 1.298 Euro bei Pflegegrad 3, 1.612 Euro bei Pflegegrad 4 und 1.995 Euro bei Pflegegrad 5 zu. Wie in der Kurzzeitpflege müssen Teile der Kosten privat finanziert werden.

Nähere Informationen gibt es hier.

Abrechnung von Pflegehilfsmittel

Bei Pflegehilfsmitteln handelt es sich um Geräte und Sachmittel, die zur häuslichen Pflege notwendig sind. So können Sie für die Anschaffung von beispielsweise Pflegebetten, Notrufsystemen, Einmalhandschuhen oder Betteinlagen Gelder bei der Pflegekasse beantragen. Diese übernimmt pro Monat bis zu 40 Euro dieser Kosten. Der Anspruch auf Hilfsmittel besteht unabhängig davon, wie der Pflegebedürftige seine Versorgung zu Hause organisiert hat.

Nähere Informationen gibt es hier.

Ausbau der eigenen vier Wände: Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen

Ist ein Wohnungsumbau notwendig, um die häusliche Pflege zu ermöglichen, zu erleichtern oder um eine möglichst selbstständige Lebensführung wiederherzustellen, können Pflegebedürftige bei der Pflegekasse einen Zuschuss beantragen. Möglich sind bis zu 4.000 Euro, unabhängig vom Pflegegrad. Nähere Informationen gibt es in den regionalen Wohnberatungsstellen oder hier.

Finanzielle Hilfe und Ellternunterhalt

Wer finanzielle Bedürftigkeit nachweisen kann, hat die Möglichkeit, bei den Sozialhilfeträgern so genannten Leistungen der Hilfe zur Pflege beantragen. Hierbei sollte jedoch bedacht werden, dass die Sozialämter grundsätzlich überprüfen, ob ein Rückgriff auf Angehörige möglich ist, in etwa in Form des Elternunterhalts. Ausführliche Informationen hierzu geben die Sozialämter.

Nähere Informationen gibt es hier.

Anmerkung der Redaktion: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen sollen explizit als geschlechtsunabhängig verstanden werden.

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz BMJV